St. Martin

- Unsere Kirche St. Martin
Der Grund ist gelegt und trägt: Christus.
In seiner Predigt sagt er: "Gesegnet sind die, die dich erbauten. - Ruft alle zusammen; auch die, die jetzt noch beiseite stehen. - Seid lebendige Bausteine in dieser eurer Gemeinde... durch die Liebe zusammenwachsend zu einer lebendigen Gemeinde. - Löscht den glimmenden Docht nicht aus, - den winzigen Funken der Hoffnung im Mitmenschen. - Wenn dann der große Tag anbricht und der Herr kommt zu Gericht, dann wollen wir nicht mit leeren Händen dastehen. - St. Martin ist uns Verpflichtung. Er ruft uns zum Opfer und zum Mahl des Herrn. - Er zeigt uns sein Leben als aufgeschlagenes Evangelium, das alle lesen, verstehen und leben können."
Es folgen die frohen Jahre des Beginns, 1953- 1962 - mit der Gründung des Bistums Essen 1958; der Volksmission 1959 mit den Redemptoristenpatres, um den Aufbau der Gemeinde zu festigen; der ersten Firmung mit unserem neuen Bischof Franz Hengsbach im gleichen Jahr; der Erhebung zur Rektoratspfarrei und der Einführung ihres ersten Pastors Bruno Kuchler 1960; der feierlichen Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils 1962; der Bau des Pfarrhauses 1961 und der Kaplanei 1963.
Diesen frohen Jahren des Beginns folgen 1962- 1970 harte Jahre des Abbruchs: Die Zeche Neumühl schließt. Ganze Familien müssen fortziehen. Ganze Straßenzüge werden abgerissen. Statt der vertrauten Zechenhäuser wachsen Hochhäuser in Neumühl gen Himmel. Die Gemeinde St. Martin schrumpft von 4.500 auf 2.200 Katholiken.
Trotzdem gibt die Gemeinde St. Martin mit ihren Seelsorgern nicht auf. Sie baut auf dem Grund weiter, der gelegt ist und trägt: Christus. Nach den Konzilsbeschlüssen über die heilige Liturgie beginnt die stufenweise Umgestaltung der Kirche: Der Errichtung des Kreuzweges als eines der Längswand der Kirche folgendem Mosaik- Bandes (mit einem Steinchen aus Jerusalem in der ersten Station) von Albert Reinker 1965 folgt die Umgestaltung des Altarraumes. Sie ist mit dem Vorziehen des Hochaltares, dem mächtigen Triumpfkreuz und der Tabernakelstele, beides von Hein Wimmer 1968 und der Weihe der neuen Orgel 1970 abgeschlossen. 1977 erhält die Kirche noch ihr eigenes Geläute von der Glockengießerei in Gescher: die Martins-, die Marien- und die Christusglocke.
Als Martinsgemeinde teilt sie die Nöte der Wegziehenden wie der wieder Neuhinzukommenden. In der Solidarität mit ihren Eltern kann sie in der Schulreform helfen, dass drei katholische Grundschulen und eine katholische Hauptschule in Neumühl erhalten bleiben. 1968 wird das neue Pfarrheim als Begegnungs- und Versammlungsstätte eingesegnet.
Die Volksmission 1970 will die Restgemeinde (2.200 Katholiken) vorbereiten und befähigen, die Neuhinzuziehenden aufzunehmen. 1973 können dann die Missionare der Gemeindemission und die Seelsorger von St. Martin schon 400 Familien von diesen 650 besuchen.
Nach einjähriger Bauzeit konnte der schon 1960 geplante Kindergarten St. Martin, den ein schönes Mosaik des Heiligen, vom Künstler des Kreuzwegs geschaffen, in der Eingangshalle ziert, am 16.11.1976 die ersten 60 Kinder aufnehmen und im März 1977 schon alle 75 Plätze belegen. Die Mitarbeiterinnen sind mit Freude und großem Einsatz für die Eltern und ihre drei- bis sechsjährigen Kinder da. Der Kindergarten St. Martin erfreut sich eines guten Rufes und anhaltender Nachfrage - bis heute.
Im Gründonnerstagsgottesdienst 1979 bricht Pastor Bruno Kuchler bei der Fußwaschung mit einem Herzinfarkt zusammen. Am Osterdonnerstag geht er "in das Osterlicht Christi" ein, nachdem er noch in der Krankenhauskapelle die Mutter eines Kommunionkindes in die volle Gemeinschaft der Kirche aufgenommen hatte, damit sie mit ihrem Kind am Weißen Sonntag die Erstkommunion feiern konnte. Ein Zettel in seinem Brevier trug nach dem Hinweis auf die Mondlandung seine Notiz: "Von der Intensivstation zur Wachstation: nur ein kleiner Schritt - aber ein Riesenschritt in das Osterlicht Christi!"
Andere haben auf dem Grund, der gelegt ist, weitergebaut, jeder mit den Gaben und Visionen, die er vom Herrn empfangen und angenommen hat - und in gewandelten Verhältnissen.
Krisengeschüttelt und krisenbewährt sollten die Christen der St.- Martin- Gemeinde nicht auch nach dem gewiss schmerzlichen Abschied von ihrer St.- Martin- Kirche hoffnungsvoll in die Zukunft schauen?! Der Grund ist gelegt und trägt: Christus. Mit ihm persönlich verbunden bleiben in Gebet, Umkehr und in der heiligen Kommunion, das öffnet neue Weisen und Wege, SEINE Liebe zu leben in unseren Familien, Lebensgemeinschaften und wo immer wir Menschen begegnen.
Maria Stichert





